Bahnhof Märzfeld: Ein Lost Place aus der NS-Zeit!

Bahnhof Märzfeld

Dieser auf den ersten Blick unscheinbar wirkende Bahnhof hat eine geschichtsträchtige Vergangenheit. Die 1938 errichtete Station war während der Kriegszeit ein wichtiger Knotenpunkt, um Besucher zum Reichsparteitagsgelände zu befördern. Allerdings erschloss die Station vor allem die Zelt- und Barackenlager für die teilnehmenden NS-Organisationen.

Trotz dieser zentralen Aufgabe wurde der Bahnhof Märzfeld nie vollständig vollendet. Nur wenige wissen, dass es ein Empfangsgebäude gibt. Außerdem stehen die nördliche Schauwand sowie die Treppenaufgänge unter Denkmalschutz. Wer die heutige Unterführung entlang geht, entdeckt dort Hinweisschilder, die über die interessante Historie der Verkehrsstation aufklären.

Der im Nürnberger Stadtteil Langwasser befindliche Bahnhof war nämlich lange Zeit Teil des Personennahverkehrs. Erst im Jahre 1987 wurde er geschlossen und verfällt zusehends mehr. Der Vandalismus hält sich aber überraschenderweise sehr in Grenzen. Lediglich ein paar wenige Graffitis und Schuttabladestellen existieren an diesem leicht zugänglichen Lost Place in Nürnberg.

Gut zu wissen:
  • Die Station ist vielen jungen Menschen nur noch unter dem Namen Bahnhof Langwasser ein Begriff. Bereits 1957 wurde die Namensänderung durchgeführt.
  • Gerne unter den Tisch fallen gelassen wird, dass der Haltepunkt nach dem Kriegsbeginn hauptsächlich zum An- und Abtransport von Kriegsgefangenen genutzt wurde.
  • Die Zugänge zur Bahnstation sind entweder zugemauert oder vergittert. Der Bahnhof Langwasser dient nur noch als Durchgangsbahnhof und Abstellbahnhof für Güterzüge des Rangierbahnhofes.

Die Historie des Bahnhofs Märzfeld:

Nürnberg Bahnhof Lost Place

Während der Zeit des Nationalsozialismus wollte man in Nürnberg einen großen Bahnhof bauen. Also wurde mit der Errichtung des Haltepunkts begonnen. Bereits 1938 und damit einem Jahr vor Kriegsbeginn wurde er vorläufig eröffnet. Seiner eigentlichen Funkion, Besucher direkt an das Reichsparteigelände zu bringen, kam er damit lediglich einmal nach.

Hauptsächlich wurde der Bahnhof Märzfeld für den An- und Abtransport von Kriegsgefangenen genutzt, die im Lager auf dem Reichsparteitagsgelände untergebracht waren. Weiterhin plante man eine Breitspurbahn ins Leben zu rufen, die von München nach Nürnberg und von dort aus nach Kiew führen sollte. Zum Ende des 2. Weltkriegs wurde das Projekt beendet.

Erst 1957 wurde der Haltepunkt in Bahnhof Nürnberg-Langwasser umgetauft. Bis zur Einstellung 1987 diente er als Personenzughalt auf der Strecke vom Hauptbahnhof bis zum Rangierbahnhof. Mit Inkrafttreten des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg (VGN) wurde er nur noch für reine Dienstfahrten mit Dienstpersonenverkehr genutzt.

Es dauerte aber gar nicht lange, bis auch diese Verwendung gestrichen wurde. Bereits 5 Jahre später, also 1992 dient die Station nur noch als Durchgangsbahnhof und Abstellbahnhof für Güterzüge des Rangierbahnhofes. Besonders verwunderlich ist dieser Schritt nicht, schließlich wurde nur der südlichste Bahnsteig für den Personenverkehr genutzt.

Wer das Gelände vor Ort gründlich erkundet, wird die zwei beidseitig angebundenen Abstellgleise entdecken. Des Weiteren befindet sich im Norden des Bahnhofs die U-Bahn-Hauptwerkstatt der VAG. Sie ist mit einem Anschlussgleis an den Haltepunkt angegliedert. An der nördlichen Schauwand befindet sich ein nie fertiggestelltes Empfangsgebäude.

Gut zu wissen:
Der Bahnhof Märzfeld war der Ausgangspunkt für den Transport von fränkischen Juden in die Vernichtungslager. Die 2 größten Beförderungen fanden dabei mit über 1000 Leuten statt. Einmal verließ ein Zug am 29. November 1941 den Bahnhof in Fahrtrichtung Riga in Lettland. Der 2. Termin war am 24. März 1942 und führte in das Getto Izbica bei Lublin in Polen.

Der aktuelle Zustand des Bahnhofs Langwasser:

Bahnhof Nürnberg Langwasser

Als Lost Place eignet sich der Bahnhof Märzfeld auf alle Fälle. Allerdings ist er relativ klein und in einem schlechten Zustand. Überall entdeckt man Graffitis, Scherben und Müll. Alle Bereiche sind stark bewachsen und ein Vorkommen ist wirklich beschwerlich. Des Weiteren kreuzen alle paar Minuten lange Güterzüge den Bahnhof.

Leider ist der Ort sehr bekannt und zieht damit große Mengen an Schaulustigen an. Wer sich allerdings für Relikte der NS-Zeit interessiert, wird hier so richtig auf seine Kosten kommen. Nicht zuletzt, da man in der Unterführung sehr informative Gedenktafeln aufgestellt hat. Diese gehören zu einem kleinen Rundgang über das ehemalige Reichsparteigelände.

Bedauerlicherweise haben Vandalen diese mit Graffiti beschmiert. Man kann die Texte aber noch immer problemlos lesen. Der unscheinbar wirkende Haltepunkt liegt den Nürnberg Bürgern sehr am Herzen. Immer wieder gibt es Bestrebungen ihn zu renovieren und als Freilichtmuseum zu erhalten. Sogar in einer Bachelorarbeit wurde die Renovierung & Sanierung des Areals behandelt.

Ärgerlicherweise tut sich hier nichts. Weder die Bahn, noch die Stadt machen sich ernsthafte Gedanken über einen Erhalt, des vor sich in bröckelnden NS-Relikts. Es wirkt eher so als würde man den Bahnhof weiter ignorieren und schließlich abreißen. Dies ist aber nur reine Spekulation.

Gut zu wissen:
Der Name des Bahnhofs lässt sich auf das angrenzende Manövergelände mit den gleichen Namen zurückführen. Es war größer als 80 Fußballfelder und umringt von Zuschauertribünen. Ganze 250.000 Menschen sollten nach der Fertigstellung vor Ort Platz finden.