Hofgut Öttershausen: mystischer Lost Place in Unterfranken!

Hofgut-Öttershausen-Lost-Place

Im bayerischen Regierungsbezirk Unterfranken in der Nähe der Gemeinde Kolitzheim hat sich ein wunderschöner Lost Place versteckt. Die Rede ist vom sehr bekannten Gutshof Öttershausen. Seit dem im Jahre 2011 große Bereiche der Anlage abgerissen wurden, verfällt das Hofgut von Jahr zu Jahr mehr. Da sich aber niemand um das Gebäude kümmert, gibt es unzählige Zugangsmöglichkeiten.

Sogar die Tür zum Keller ist nicht verschlossen und so kann man die Katakomben des großen Hofes erkunden. Da der Dachstuhl bereits ordentlich durchlöchert und sogar teilweise zusammengebrochen ist, sollte man bei einer Begehung auf die richtige Schutzausrüstung achten. Sinnvoll sind Sicherheitsschuhe, eine Atemluftmaske sowie ein Bauhelm.

Letzterer wird aber nur bei der Begehung des Dachgeschosses gebraucht. Dieses ist aber wirklich sehr baufällig und sollte am besten gar nicht erst betreten werden. Damit man vor Ort zurechtkommt, darf die obligatorische Taschenlampe ebenso wenig wie das Erste-Hilfe-Set fehlen. Was man über den Lost Place Öttershausen alles wissen muss, verraten wir dir im Folgenden.

Gut zu wissen:
  • Man konnte bereits im 20. Jahrhundert beobachten, wie das Hofgut immer mehr verfiel. Aber erst nach 35 Jahren des Leerstands erfolgte 2011 der Abriss der meisten Gutsgebäude.
  • Heute stehen nur noch der Winkelbau mit einem Treppenturm sowie der sich anschließende Schütt- und Brennereibau. Alle diese Gebäude sollten aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammen.
  • Im Jahr 1069 wurde der Gutshof Öttershausen als „Otericheshusin“ betitelt. Dies bedeutet etwa so viel wie „zu den Häusern des Oterich“. Hierbei wird Bezug auf den Markgraf Otto von Schweinfurt genommen.

Die Historie von Öttershausen:

Öttershausen Ruine Einrichtung

Die Geschichte dieses Lost Places hatte so einige Tiefen als auch Höhen. Begonnen hat alles mit ein paar Höfen, die im Jahre 1069 von der Gräfin Alberada von Banz an das Kloster Heidenfeld verschenkt wurden. Danach folgte ein wildes Durcheinander an Eigentümern. Zum Glück lässt sich die Geschichte sehr detailliert bis ins Jahr 1563 zurückverfolgen.

Damals war Adolf Rau von Holzhausen der Lehensträger auf dem heutigen Lost Place. Nach seinem Ableben konnte sich Valentin Echter von Mespelbrunn das Anwesen durch eine Heirat sichern. Während seiner Herrschaft entstanden die ersten Gebäude, die den großen Innenhof umrandeten. Vom späteren Anblick des Guts war man aber noch weit entfernt.

Als der Dreißigjährige Krieg endlich vorüber war, erdrückte die Schuldenlast den damaligen Eigentümer Valentin Echter von Mespelbrunn. Daher wurde das Anwesen 1651 an den Grafen von Schönborn verkauft. Sie ließen schließlich das Hofgut errichten, das man bis vor wenigen Jahren noch besichtigen konnte. Allerdings wurden immer wieder neue Gebäude errichtet.

Im 19. Jahrhundert war es dann so weit und eine Mauer umgab alle Bauwerke. Seit dem wurde allerdings nicht mehr viel in das Hofgut investiert. Das an die Anlage angrenzende und gleichnamige Weiler Öttershausen löste sich außerdem im selben Jahrhundert fast vollständig auf.

Hiermit war das Ende des Hofguts eingeläutet. Der Niedergang konnte einfach nicht mehr gebremst werden. Trotzdem wurde das Anwesen nicht verkauft und somit ist es noch immer im Besitz der Grafen von Schönborn. Leider sind diese nicht an einer Sanierung interessiert, sondern forcieren seit einigen Jahrzehnten den vollständigen Abriss des Lost Place.

Gut zu wissen:
Bevor 2011 ein Großteil der Gebäude dem Erdboden gleichgemacht wurden, bestand das Anwesen aus 10 Gebäuden. Dabei handelte es sich um eine Gruppe aus unregelmäßigen Massivbauten, die über mehrere Jahrhunderte entstanden sind. Das komplette Grundstück war von einer Ummauerung mit 2 Toranlagen umgeben.

Der heutige Zustand des Lost Place:

Bauliche Substanz

Zum Hofgut führt ein geschwungener Feldweg, der direkt von der Durchfahrtsstraße abgeht. Kommt man den Gebäuden immer näher, sticht einem sofort der Verfall ins Auge. Die Dächer sind löchrig und teilweise nicht mehr existent. Hinter den Fenstergittern befindet sich kein Glas und auf dem Dach wachsen bereits Büsche aus dem Dachstuhl.

Die bauliche Substanz ist in so einem schlechten Zustand, dass man sofort erkennt, das hier seit Jahrzehnten nicht mehr renoviert wurde. Im Inneren warten auch keine Überraschungen mehr auf einen. Immer wieder entdeckt man Graffitis an den Wänden und Müll liegt auf dem Boden. Der Vandalismus hat auch hier seine Spuren hinterlassen.

Ab und an gibt es mal ein paar altertümliche Gegenstände zu bestaunen, aber das war es auch. Die meiste Einrichtung fehlt und so wirkt das ganze Gebäude trostlos. Allerdings ermöglichen einem die Pflanzen und der starke Verfall das Anfertigen von atemberaubenden Bildern. Man sollte sich aber ganz vorsichtig im Gebäude bewegen. Es wirkt auf uns jedenfalls einsturzgefährdet.

Besonders interessant für Urban Explorer sind die Katakomben des Hofguts. In ihnen befinden sich noch alte Maschinen und etwas Einrichtung. Aber auch hier ist Vorsicht geboten. In einem Teil der Keller steht einem das Wasser, nämlich bis zum Knöchel. Wer ganz besonders wagemutig ist, kann den Dachboden des Anwesens erkunden. Dort befindet sich unter anderem eine begehbare Antennenanlage.

Gut zu wissen:
Das Hofgut wurde vom bekannten Architekten Balthasar Neumann erweitert und umgebaut. Die letzte Ernte wurde 1974 eingefahren und ein Teil des Heus befand sich beim Abriss noch in einer der Scheunen.