Gebrauchte Objektive kaufen: Worauf muss man beim Erwerb achten?

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Viele Hobbyfotografen scheuen den Kauf bereits genutzter Ausrüstung, wie der Teufel das Weihwasser. Auch wir haben jahrelang nur nigelnagelneue Dinge für unser Equipment angeschafft. Irgendwann kam aber der Punkt, wo wir alle ein echtes Schnäppchen auf dem Gebrauchtmarkt entdeckt haben. Und wie sollte es anders sein, bereut hat keiner von uns den Kauf.

Das Angebot an gebrauchten Kameras ist wirklich riesig. Aber auch kaum genutzte Objektive werden immer wieder in den einschlägigen Portalen angeboten. Und da schlagen wir inzwischen immer wieder gerne zu. So lässt sich nämlich nicht nur einiges an Geld sparen, sondern man hat beim Bieten auch gleich noch einen neuen Zeitvertreib für langweilige Tage gefunden.

Vielen Fotografen ist der Erwerb von gebrauchten Equipment suspekt. Das Risiko scheint nämlich hoch zu sein, dass man beschädigte Ware ohne einen Gewährleistungsanspruch erhält. Dies ist uns aber bis heute noch nicht passiert. Vielleicht war das nur Glück oder es liegt an unserer umfangreichen Checkliste. Worauf wir beim Kauf Acht geben, verraten wir dir in diesem Guide.

Alles Wichtige auf einen Blick:
  • Das Hauptaugenmerk sollte zu Beginn des Kaufs immer auf dem äußeren Erscheinungsbild liegen. Man sollte weder an den Linsen, noch am Korpus irgendwelche Schäden erkennen können. Ein gutes Zeichen ist ein angebrachter UV-Filter sowie eine Objektivtasche. Beides deutet auf eine pflegliche Behandlung in der Vergangenheit hin.
  • Hochwertige und damit teure Linsen sollten vor dem Kauf immer besichtigt werden. Besonders empfehlenswert sind in solch einem Fall Fachhändler. Aber auch der Kauf von einer Privatperson ist nach einer gründlichen Prüfung kein allzu großes Risiko. So oder so sollte man auf sein Bauchgefühl vertrauen.
  • Der Kauf eines gebrauchten Objektivs ist unserer Meinung nach immer sinnvoll. Man spart einiges an Geld und das Risiko ist gering.
    Zumindest gilt dies, wenn man die Linse vor Ort auf Herz und Nieren testen kann. Reine Onlinekäufe ohne Besichtigung sind stets mit etwas Vorsicht zu betrachten.

Gebrauchtes Objektiv kaufen – ja oder nein?

Manchmal liest man die Aussage, dass sich der Kauf gar nicht lohnt. Zu gering sei der Preisunterschied und man wisse ja nie, ob man einen Fehlkauf tätigt. Solche Äußerungen sind aber völliger Quatsch. Gerade bei teuren Vollformat-Objektiven lassen sich mehrere hundert Euro sparen. Zudem kann man die ersteigerte Ware bei Mängeln in der Regel problemlos zurückgeben.

Dabei spielt es nach unseren Erfahrungen keine Rolle, ob man bei einem richtigen Fachhändler war oder bei einer privaten Versteigerung zugeschlagen hat. Wer für eine gebrauchte Linse aber richtig tief in die Tasche greifen will, sollte lieber zu einem Händler gehen. Dort kann man nämlich das Glas nach allen Regeln der Kunst begutachten und zudem noch ausgiebig testen.

Gleiches gilt übrigens für den Kauf teurer Optiken von Privatleuten. In so einem Fall sollte man sich immer mit dem Verkäufer treffen und die Ware gründlich überprüfen. Keinesfalls darf man sich dabei hetzen lassen. Schließlich kosten auch gebrauchte Objektive noch immer eine Menge Geld. Große Sorgen vor einem Fehlkauf brauchst du dir aber nach unserer Erfahrung nach nicht zu machen.

Gut zu wissen:
Über die letzten Jahre haben wir viel gebrauchtes Fotoequipment erworben. Betrogen worden sind wir dabei aber nie. Einmal hatten wir allerdings den Fall, dass eine Spiegelreflexkamera nach Zigarettenrauch gestunken hat. Der Verkäufer hat diesen Umstand in seiner Beschreibung leider nicht erwähnt. Zum Glück verflog der Geruch nach einigen Wochen von allein.

Worauf muss man beim Kauf Wert legen?

Ob man bei einer Auktion mitbieten möchte oder das Objektiv lieber vor Ort auf Herz und Nieren untersuchen will, ist am Anfang egal. In beiden Fällen schaut man sich die Produktbilder gründlich an. Was man niemals sehen möchte, sind Kratzer auf der Front- oder Rücklinse. Dies gilt übrigens auch für übermäßige Abnutzungsspuren am Bajonett.

Im Optimalfall erkennt man selbst an Korpus des Objektivs keinerlei Nutzungsspuren. Des Weiteren freuen wir uns immer riesig, wenn wir einen UV-Filter an der Linse entdecken. Nun kann man nämlich davon ausgehen, dass es keinerlei Kratzer an der Frontlinse gibt. Ein genauer Blick schadet aber natürlich nicht, insbesondere bei Auktionen oder Versandartikeln.

Glaspilz – oft übersehen, aber absolut heimtückisch:

Was sich auf Fotos oftmals nur schwer erkennen lässt, ist der Schreck aller Gebrauchtobjektivkäufer. Die Rede ist vom Fungus, der hierzulande meist als Glaspilz bezeichnet wird. Nicht immer lässt er sich ohne Weiteres erkennen. Im Anfangsstadium gibt es nämlich oft nur ein oder zwei kleine, kaum sichtbare weiße Punkte. Diese vermehren sich aber rasch.

Irgendwann ist dann der Zeitpunkt gekommen und das ganze Objektiv ist von einem weißen Geflecht überzogen. Theoretisch könnte man es zwar reinigen lassen, aber oft haben die Pilze für irreparable Schäden an den Glasoberflächen gesorgt. Zudem kommt es in der Folge oft wieder zu einem erneuten Befall mit der weißen Pest.

Solche Objektive gehören, auch zum Schutz des restlichen Equipments, kommentarlos entsorgt. Wer dem Ganzen vorbeugen möchte, sollte seine Linsen nicht in dunklen, feuchten Behältnissen lagern. Empfehlenswert ist daher eine trockene Lagerung mit ausreichend Belüftung. Zusätzlich sollte man die Optiken regelmäßig von Staub und Dreck befreien.

Unsere Checkliste für Onlinekäufe:
  • Keinerlei Kratzer, Flecken, Trübungen & andere Beschädigungen auf der Front- und Rücklinse erkennbar.
  • Das Bajonett ist weder ölig, noch hat es starke Gebrauchsspuren.
  • Nirgendwo am Objektiv lassen sich Anzeichen für einen Befall mit Glaspilz finden.
  • Vorhandene Testbilder auf Unregelmäßigkeiten prüfen, die die durch Staub oder Kratzer verursacht werden.
  • Den Verkäufer oder genauer gesagt dessen Bewertungen gründlich überprüfen: Existieren negative Rezensionen?

Vor-Ort-Kontrolle des gebrauchten Objektivs:

Bei günstigen Linsen kann man es durchaus mal riskieren und bei einer Auktion mitbieten oder die Optik direkt kaufen. Sobald man aber mehrere Hundert Euro in die Hand nimmt, ist es immer sinnvoller das gebrauchte Objektiv vor dem Kauf gründlich zu testen. Dies funktioniert allerdings nur von Angesicht zu Angesicht. Daher muss man mobil sein, sprich über ein Auto verfügen.

Beim Verkäufer angekommen schaut man sich noch einmal das äußere Erscheinungsbild an. Nicht selten entdeckt man hier noch leichte Gebrauchsspuren am Blenden-, Fokus- oder Zoomring. Zusätzlich zur Sichtkontrolle dreht man diese hin und her. Sie sollten leichtgängig und sauber laufen. Große Widerstände und ungewöhnliche Geräusche deuten auf Beschädigungen hin.

Beim Blendenring sollte man zudem das Einrasten hören können. Ist man sich hierbei unsicher, sollte man einen genauen Blick auf die Lamellen werfen. Man erkennt das Einschnappen problemlos mit den eigenen Augen. Hat man bis jetzt keine Schäden an der Linse feststellen können, wird es Zeit für den Test an der mitgebrachten Kamera.

Funktionstest des gebrauchten Objektivs mit der eigenen Kamera:

Eine Schwachstelle von alten und viel genutzten Objektiven ist der Autofokus. Oftmals ist er etwas dejustiert oder von einem Sturz beschädigt worden. Manchmal erkennt die Kamera aber auch das Objektiv nicht einwandfrei, was für Schäden am Bajonettanschluss oder genauer gesagt dessen Kontakten spricht. Manchmal funktionieren aber auch die ganzen Schalter nicht mehr richtig.

Daher sollte man sowohl mit dem manuellen als auch mit dem automatischen Fokus ein paar Testaufnahmen machen. Auch den Zoom sowie die Blende sollte man kurz testen. Die geschossenen Bilder gilt es dann in der 100-Prozent-Ansicht des Kameradisplays zu überprüfen. Wer lieber auf Nummer sicher gehen möchte, nimmt gleich seinen Laptop oder sein Tablet mit.

Auf den Testbildern sollte man keinerlei Flecken (Sensor prüfen) und andere Unregelmäßigkeiten erkennen können. Zudem muss der Fokus sitzen. Eine Fehljustierung lässt sich nämlich nicht einfach selbst beheben. Hier ist der Gang in ein Fachgeschäft erforderlich und nicht immer gibt es für ältere Objektive Ersatzteile. In so einem Fall hat man sein Geld dann zum Fenster herausgeworfen.

Unsere Checkliste für Vor-Ort-Käufe:
  • Wird das gebrauchte Objektiv von der Kamera korrekt erkannt?
  • Funktionieren die Ringe für den Zoom, die Blende und den Fokus?
  • Kommt es beim Fotografieren zu komischen Geräuschen im Objektiv?
  • Sitzt der Fokus wirklich oder ist die Linse gar dejustiert?
  • Hast du die Testbilder auf Unregelmäßigkeiten überprüft?

Das Lost Places World Fazit:

Wir kaufen unsere Fotoausrüstung gerne gebraucht. Man spart eine Menge Geld und gerade neue Linsen können schnell das ganze Budget auffressen. Damit man aber keinen Fehlkauf tätigt, muss man durchaus etwas kritisch an die Sache herangehen. Da darf zum Schluss die Frage auch nicht fehlen, warum das Objektiv überhaupt verkauft wird.

Sollte dem Verkäufer hierauf keine plausible Antwort einfallen, kann dies auf ein verstecktes Problem hindeuten. In so einem Fall sollte man vom Kauf absehen. Schließlich ist die Auswahl an gebrauchten Objektiven so groß, dass man nicht beim erstbesten Angebot zuschlagen muss. Daher sollte man beim Bieten auch nicht in einen Rausch verfallen. Lieber schlägt man beim nächsten Schnapper zu.

Hast du dich nach dem Lesen des Artikels dazu entschlossen eine bereits benutzte Linse zu kaufen, musst du nur noch den passenden Händler finden. Wer beim Erwerb auf Nummer sich gehen möchte, greift zu Amazon, Rebuy oder den bekannten Fotoläden. Ist der finanzielle Rahmen überschaubar und man scheut das Risiko nicht, sind Auktionen, Foren und Kleinanzeigenportale interessant.

Was sollte man noch wissen?

Frage-Antwort-Bereich

Ab und an erreichen uns Fragen von Lesern, die sich beim Kauf eines gebrauchten Objektivs unsicher sind. Wir beantworten solche E-Mails gerne. Allerdings möchten wir auch dir die zusätzlichen Informationen nicht vorenthalten. Dies hat uns auf die Idee gebracht einen kleinen Frage-Antwort-Bereich zu erstellen. Im Folgenden erhältst du also wertvolle Tipps & Tricks rund um den Gebrauchtkauf.

Wie teuer ist die Entfernung von Glaspilz & lohnt sich der Kauf solch eines Objektivs?

Nicht immer lässt sich der Pilz dauerhaft entfernen. Zudem können die Glasflächen sowie die Vergütung des Glases beschädigt werden. Dann ist ein teurer Austausch fällig, der mangels Ersatzteilen nicht immer möglich ist. All diese Umstände sprechen dafür, dass man lieber kein Objektiv mit Fungus erwirbt.

Entdeckt man auf den Produktfotos also farnartige Strukturen oder Schimmel-ähnliche Pilze sollte man vom Kauf absehen. Bekommt man die sonst sehr teure Linse aber quasi geschenkt, kann man durchaus zuschlagen. Schließlich kann der Glaspilz im Anfangsstadium oft erfolgreich entfernt werden. Dann muss man aber mit Kosten im dreistelligen Bereich rechnen.

Habt ihr Erfahrungen mit dem Onlinehändler Rebuy gemacht?

Ja, aber nicht in Bezug auf Fotoequipment. In den letzten Jahren haben wir dort die unterschiedlichsten Elektronikartikel gekauft. Unter anderem eine Xbox, ein Apple Tablet und eine ganze Menge Fachbücher. Dabei lief immer alles reibungslos ab. Aufgrund dessen sollte beim Objektivkauf nichts schieflaufen. Allerdings sind die Preise doch recht üppig.

Welches Objektiv sollte man als Einsteiger zuerst kaufen?

Stehen Lost Places ganz oben auf deiner Interessenliste, fährst du mit den im Bundle erhältlichen Kitobjektiven ganz gut. Noch besser geeignet sind aber sogenannte Ultraweitwinkeloptiken. Mit denen lässt sich nicht nur ein größerer Bereich ablichten, sondern die Bildwirkung ist dadurch auch deutlich imposanter.

Wer noch nicht weiß, wo die Reise hingehen soll, greift am besten zu einem gleichnamigen Reisezoom. Damit deckt man für den Anfang alle wichtigen Brennweitenbereiche ab. Allerdings ist die Abbildungsleistung nicht immer so gut, wie man beim Anblick der großen Objektive denken könnte.