Welches Objektiv eignet sich zum Fotografieren von Lost Places?

Objektive für Lost Places

Als Urban Explorer legt man oft weite Strecken zurück. Zudem ist das Hobby zeit- und kostenintensiv. Daher möchte man bei einer Erkundung nur die besten Bilder schießen. Und wie man als ambitionierter Fotograf weiß, kommt es dabei nicht auf die Kamera, sondern vor allem aufs Objektiv an. Allerdings gibt es in diesem Marktsegment eine Menge an günstigen und sehr teuren Produkten.

Außerdem liest man ständig Begriffe wie Teleobjektiv, Fisheye, Weitwinkelzoom oder Festbrennweite. Weiterhin gibt es verschiedene Motoren für den Autofokus. Und zu allem Überfluss sind die Rezessionen und Testberichte gespickt mit Wörtern, wie Blende, Abbildungsleistung, Naheinstellgrenze und Bajonettanschluss.

Da kommt schnell das Gefühl auf, dass man ein Ingenieursstudium zum Objektivkauf braucht. So ist es aber zum Glück nicht. Schließlich muss man sich als Hobbyist nicht mit den Eigenheiten und technischen Details von zig unterschiedlichen Objektivarten beschäftigen. Dafür sind wir ja da. Worauf es wirklich ankommt, verraten wir dir in diesem Ratgeber.

Alles Wichtige auf einen Blick:
  • Wer noch ganz am Anfang in der Lost Places Fotografie steht, kann ruhig beim Kit-Objektiv bleiben. Dieses reicht in der Regel vollkommen aus. Zwar ist man etwas beim Zoom limitiert, aber in den meisten Situationen kann man gute Bilder schießen.
  • Sobald man sich aber etwas intensiver mit dem Fotografieren auseinandergesetzt hat, wächst das Interesse an einer besseren Optik mit mehr Zoom. In so einem Fall sollte man sich ein Reiseobjektiv holen. Hiermit deckt man meist den Brennweitenbereich von 18 bis 200 mm ab.
  • Wir nutzen fast immer ein Reisezoom auf unseren Touren. Viele stört aber die zu weit geschlossene Blende und die oftmals nur akzeptable Bildqualität. In so einem Fall sollte man sich intensiver mit Weitwinkel-Objektiven und Festbrennweiten auseinandersetzen.

Welches Objektiv braucht man wirklich?

Dieser Frage bekommen wir sehr oft gestellt. Sie lässt sich auch nicht pauschal beantworten, da sich die Lost Places zu stark voneinander unterschieden. Dies ist auch der Grund, warum viele Fotorucksäcke von Urbexern bis zum Platzen vollgefüllt sind. Sie haben eine ganze Palette an Objektiven und anderem wichtigem Zubehör dabei.

Als Anfänger braucht man aber nicht gleich mehrere Tausend Euros in so ein Set zu investieren. Dies wäre der absolut falsche Ansatz. Und wenn man mal ganz ehrlich ist, benutzt man viele der Linsen für Monate gar nicht. Das liegt nicht zuletzt daran, weil die verlassenen Orte häufig sehr staubig und dreckig sind.

Aufgrund dessen stellt jeder Objektivwechsel eine Gefahr für den Sensor und das Innenleben der Kamera dar. Jedes Staubkorn und jeder Wassertropfen kann zum Problem werden. Zwar kann man einen Sensor reinigen, aber vor Ort ist dies kein Zuckerschlecken. Außerdem verliert man wertvolle Zeit. Aber darum soll es nicht. Diese Linsen eignen sich für Lost Places:

Weitwinkellinsen für den ganz großen Bildwinkel:

Weitwinkelobjektiv für Lost Places

Die meisten Objektive, die man direkt im Bundle mit einer Kamera erwerben kann, verfügen häufig über eine kleine Brennweite. Gemeint ist damit aber nicht der geringe Zoom, sondern der anfängliche Blickwinkel. Er ist besonders groß und damit weitwinklig. Man bekommt also sehr viel von der Umgebung auf das Foto und das selbst bei kleinen Abständen zum Motiv.

Damit eignen sich diese Linsen optimal für Lost Places. Schließlich ist man häufig in kleinen Räumen, Fluren und Kellern unterwegs. Damit man einen möglichst großen Bildausschnitt erzielen kann, muss man aber richtige Weitwinkelobjektive kaufen. Deren Brennweite beginnt nicht bei 18 mm, sondern schon bei 10 mm. Die Investition lohnt sich auf alle Fälle.

Die Abbildungsleistung solcher Linsen ist in der Regel sehr gut und häufig lässt sich die Blende weit öffnen. Damit ist das Objektiv also sehr lichtstark. Außerdem kann man damit ein schönes Bokeh erzielen. Der Hintergrund bleibt also verschwommen, während das Motiv sehr gut zu erkennen ist. Mit diesem Stilmittel lässt sich in Lost Places und anderen Situationen sehr schön spielen.

Gut zu wissen:
Bilder mit solchen Linsen wirken oft etwas gewölbt. Man erkennt diesen Effekt sehr gut an Objekten, die sich in der Nähe des Rands befinden. Daher muss man bei der Bildbearbeitung die Objekiv-Verzerrungskorrektur aktivieren. Oftmals muss das Foto noch zusätzlich entzerrt werden.

Teleobjektive für den maximalen Zoom:

Ab wann man von einer Telelinse spricht, ist nicht ganz eindeutig geregelt. In der Praxis hat sich der Begriff für Objektive etabliert, die bei einer Brennweite von etwa 60 mm beginnen. Der Bildwinkel ist hier also schon deutlich kleiner. Dafür lassen sich sehr weit entfernte Motive bequem heranzoomen.

Nicht selten bekommt man für kleines Geld eine starke Zoomleistung. Allerdings steht man bei der Fotografie von Lost Places mit solchen Objektiven häufig auf verlorenem Posten. Viel zu oft ist man zu nah am Motiv dran und gerade Innenaufnahmen gelingen daher eher selten.

Aus der Praxis können wir sagen, dass man nur selten so viel Zoom benötigt. Die meisten verlorenen Orte sind viel zu klein für solch große Brennweiten. Manchmal sind die Teleobjektive aber auch ganz nützlich. Man kann sie als Fernglas-Ersatz nutzen oder von einem erhöhten Punkt in ein verschlossenes Areal hinein fotografieren.

Gut zu wissen:
Solche Objektive sind eher für Tierfotografen interessant. Wir empfinden sie als zu schwer und klobig. Außerdem verbaut man sich viele tolle Motive in Innenräumen. Daher raten wir vom Kauf dieser Linsen ab. Wer unbedingt einen hohen Brennweitenbereich nutzen möchte, sollte sich Reiseobjektive näher anschauen.

Reisezooms als Immerdrauf-Optiken:

Tamron Reisezoom

Nun sind wir auch schon bei den Alleskönnern angelangt. Diese Linsen sind bieten die größtmögliche Flexibilität und sind zudem noch sehr günstig zu haben. Zumindest überbieten sich die Dritthersteller seit einigen Jahren mit immer leistungsstärkeren und gleichzeitig preiswerteren Modellen. Leider ziehen die Kamerahersteller in diesem Marktsegment mit eigenen Linsen nicht mit.

Dies ist aber auch mehr als verschmerzbar. Die Auswahl ist noch immer groß. Wer also wenig Geld ausgeben möchte und für fast alle Situationen gewappnet sein will, greift am besten zu einem Reisezoom. Hier kann man sowohl im Weitwinkel als auch im Telebereich fotografieren. Natürlich leidet die Bildqualität sowie die Lichtstärke bei solchen Objektiven etwas.

Man sollte sich daher im Klaren darüber sein, dass es im hohen Brennweitenbereich oft zu leichten Vignettierungen oder chromatischen Aberrationen kommen kann. Bei manchen Objektiven lässt die Schärfe an den Rändern merklich nach. Dies ist aber der kompakten Bauform und den günstigen Preisen geschuldet. Korrigierbar ist es via Software aber allemal.

Gut zu wissen:
Mit diesen Linsen spart man sich nervige Objektivwechsel und kann auf viele Situationen flexibel reagieren. Das heißt konkret, dass man ein Gebäude in voller Pracht aufnehmen kann oder einfach an ein interessantes Detail heranzoomt. Zudem bleibt der Rucksack schön leicht und man muss nicht schwer beladen durch den Lost Place laufen.

Festbrennweiten für mehr Einfallsreichtum:

Nur wenige Hobby-Fotografen nutzen Objektive mit fester Brennweite. Dies ist allerdings ein großer Fehler. Schließlich bestechen viele Festbrennweiten mit einer überragenden Abbildungsleistung. Des Weiteren kann man die Blende bei vielen Modellen bis zum Anschlag öffnen. Für ein wunderschönes Bokeh und ausreichend Lichtstärke ist also gesorgt.

Da man mit diesen Objektiven nicht zoomen kann, fotografiert man viel bewusster. Das heißt im Umkehrschluss, dass man so einiges über die Bildgestaltung lernt. Außerdem sind die Linsen sehr klein und leicht. Sie nehmen im Kamerarucksack kaum Platz weg und ins Gewicht fallen sie auch nicht. Als ambitionierter Fotograf sollte man daher immer eine Festbrennweite dabei haben.

Das liegt nicht zuletzt daran, weil diese Lost Place Objektive günstig in der Anschaffung sind. Das gilt natürlich nicht für jedes Modell, aber die Vielzahl ist eher im unteren Preissegment zu finden. Meistens bekommt man für 150 Euro eine zuverlässige, lichtstarke und vor allem scharfe Linse.

Gut zu wissen:
Erkundet man einen Lost Place und hat nur eine Festbrennweite dabei, entdeckt man oft ungewöhnliche Perspektiven und Ausschnitte. Man wird beim Fotografieren also um ein Vielfaches kreativer. Wem die Lust aufs Foto schießen etwas abhandengekommen ist, wird sich hiermit wieder fürs Fotografieren begeistern können.

Worauf gilt es beim Kauf zu achten?

Hat man sich nun für eine bestimmte Art von Lost Place Objektiv entschieden, muss man nun nur noch auf ein paar Dinge beim Kauf schauen. Der erste Blick gilt dabei immer dem Bajonett oder genauer gesagt der Produktbeschreibung. Das Objektiv sollte über einen passenden Anschluss verfügen. Ist dem nicht so, kann man aber auch einen Adapterring nutzen.

Die Bildqualität leidet dabei übrigens nicht. Allerdings wird das Objektiv klobiger und etwas schwerer. Ist man sich unsicher, ob die anvisierte Linse auf die eigene Kamera passt, lohnt sich ein Blick auf die Herstellerwebseite. Hier ist genau beschrieben für welchen Bajonettanschluss und welches Kameramodell das Objektiv geeignet ist.

Möchte man als Urban Explorer nicht nur Fotos schießen, sondern auch Videos produzieren, braucht man ein Objektiv mit Ultraschallmotor. Durch diesen wird der Autofokus schneller und bleibt außerdem in jeder Situation flüsterleise. Des Weiteren sollte man einen Blick auf die Naheinstellgrenze werfen.

Diese ist immer dann wichtig, wenn du sehr nah an dein Motiv heranzoomen möchtest. Bei der Lost Place Fotografie wirst du aber nur in ganz seltenen Fällen an die maximale Naheinstellgrenze eines handelsüblichen Objektivs stoßen. In der Regel arbeitet man ja im Weitwinkel und mit großen Motiven, wie Gängen, Räumen und ganzen Gebäuden.

Gut zu wissen:
Viele Anfänger machen den Fehler und kaufen sich eine sehr teure Kamera. Dann bleibt häufig nicht mehr genug Geld übrig, um ein oder zwei gute Objektive zu erwerben. Oftmals wird dabei aber der Gebrauchtmarkt vergessen. Gerade bei Auktionen lassen sich hier häufig wahre Schnäppchen machen. Aber auch Kleinanzeigenportale sind eine gute Anlaufstelle.

Was sollte man noch wissen?

Frage-Antwort-Bereich

Immer wieder werden wir mit Fragen zu Objektiven gelöchert. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, handelt es sich doch um eine Wissenschaft für sich. Daher haben wir uns dazu entschlossen den Ratgeber, um einen Frage-Antwort-Bereich zu erweitern. So bekommst du noch mehr nützliche Informationen rund um Objektive für Lost Place Fotografen.

Wie teuer müssen Objektive für Lost Places sein?

Ob eine Linse günstig oder teuer ist, sagt nicht immer etwas über die Abbildungsleistung aus. Günstige Objektive von Drittherstellern, wie Tamron oder Sigma machen oft einen sehr guten Job. Gerade für Hobbyfotografen reichen diese daher dicke aus. Sehr oft sind die Objektive der Kamerahersteller bei APS-C-Modellen nur teurer, aber nicht unbedingt viel besser.

Man muss also nicht zwangsläufig ein teures Glas erwerben. Abstand nehmen sollte man als Einsteiger aber von den extrem günstigen Fernostobjektiven. Diese verfügen nämlich häufig über keinerlei elektronische Schnittstelle zur Kamera. Damit funktioniert bei ihnen weder der Autofokus noch die automatische Blendeneinstellung. Für Lost Places sind sie damit die falsche Wahl.

Welche Objektive braucht man als ambitionierter Urban Explorer?

Unserer Meinung nach macht man mit einem guten Reisezoom nichts falsch. Wer dann noch mehr Details aus seinen Bildern herauskitzeln möchte, sollte sich eine passende Festbrennweite oder ein hochwertiges Weitwinkelobjektiv zulegen. Damit steigert man die Qualität der eigenen Bilder nicht selten um ein Vielfaches.

Unter Umständen ist auch eine Makrolinse eine sinnvolle Wahl. Zwar kann man diese nicht immer nutzen, aber in manchen Situationen schießt man damit eindrucksvolle Fotos. Und da nicht jeder Lost Place Fotograf eine Makrolinse sein Eigen nennen kann, erzielt man damit Bilder, die aus der Masse herausstechen.

Lohnt sich die Investition in ein Tilt-und-Shift-Objektiv?

Bildbearbeitungsprogramme werden immer leistungsstärker und dazu noch günstiger. Selbst RAW-Konverter wie beispielsweise Luminar oder Lightroom bieten seit Jahren Objektivverzerrungskorrekturen an. Man muss also nicht zwangsläufig bei der Architekturfotografie mit der Shift-Funktion arbeiten, um stürzenden Linien vorzubeugen.

Allerdings lässt sich mit den Bildbearbeitungsprogrammen nicht alles korrigieren. Wer also besonders hochwertige Fotos schießen möchte, sollte sich definitiv so eine Linse zulegen. Und ganz ehrlich, wer einmal mit solchen Objektiven gearbeitet hat, wird von den Gestaltungsmöglichkeiten begeistert sein.