Ehemaliges Siemens-Kurheim inmitten von dichter Vegetation!

Verlassenes-Siemensheim

Schandflecken gibt es wirklich überall in Deutschland. Aber eine kleine Stadt im Fichtelgebirge kann gleich mit mehreren Schrottimmobilien aufwarten. Im Stadtkern befindet sich ein baufälliges Hallenbad, ein altes Gasthaus in der Nähe des Marktplatzes steht ebenfalls leer und sogar eine verlassene Nervenheilklinik gibt es. Um all diese spannenden Lost Places soll es heute aber nicht gehen.

Viel mehr widmen wir uns einem alten Klassiker unter bayrischen Urban Explorern. Von Bäumen umzingelt und ganz oben auf einem Hügel versteckt sich ein seit Jahren verlassenes Kurzentrum. Einst diente es Siemens-Mitarbeitern und deren Familien als Erholungs- und Rückzugsstätte. Diese Zeiten sind aber schon lange vorbei und so verfällt des Heim zusehends.

Heute erkennt man das Gebäude kaum noch. Die Fenster wurden allesamt eingeschlagen, der Putz bröckelt von den Wänden und überall liegt Sperrmüll. Zu allem Überfluss haben Vandalen die Einrichtung aus den Zimmern gerissen und überall entdeckt man Graffitis an den Wänden. Der Zustand des Lost Places ist wirklich erschreckend. Trotzdem sind uns ein paar großartige Fotos gelungen.

Alles Wichtige auf einen Blick:
  • In den letzten Jahren sorgte das verlassene Siemensheim immer wieder für negative Schlagzeilen. Jugendliche schmissen betagte Röhrenfernseher und alte Möbel aus den Fenstern. Zu allem Überfluss wurden die Türen und Fenster eingeschlagen und immer wieder fanden Randale-Partys in dem Lost Place statt.
  • Trotz des langen Leerstands ist die bauliche Substanz noch immer ziemlich gut. Es gibt weder eingestürzte Decken, noch Löcher in den Böden. Selbst Schimmel und Moos findet man nur in ganz wenigen Räumen. Allerdings holt sich die Natur ihr Territorium Schritt für Schritt zurück. Alle Zufahrtswege sind nämlich bereits zugewuchert.
  • Das ehemalige Erholungsheim befindet sich in einer verwaisten Stadt inmitten des Fichtelgebirges. Auf einem kleinen Berg und völlig umgeben von dichter Vegetation steht der völlig zerstörte Betonklotz. Ganz in der Nähe befindet sich ein Wanderpfad und ein kleiner Aussichtspunkt von dem man einen herrlichen Blick ins Maintal hat.

Die Historie des Lost Places:

Simens-Kurklinik-Innenraum

Die Schließung des mehrfach modernisierten und erweiterten Kurzentrums kam für die Gemeinde und auch die Angestellten völlig überraschend. Seitdem das Objekt nämlich in den 50er-Jahren erbaut wurde, galt es als großes Aushängeschild der Siemens-Firmenkultur. Immer wieder wurde das Gebäude saniert, renoviert und modernisiert.

In den späten 70er-Jahren wurde aus dem Erholungsheim ein Kurzentrum. In Folge dieser Entscheidung wurde in den darauffolgenden Jahren viel Geld in das Gebäude investiert. Es wurde nämlich auf stolze 94 Patientenbetten vergrößert. Zusätzlich dazu installierte man in jedem Zimmer eigene Nasszellen, um den Komfort der Einrichtung zu erhöhen.

Lost Place Siemens Erholungsheim

Zur körperlichen Betätigung gab es bereits damals ein kleines Schwimmbad, einen Tennisplatz sowie einen kleinen Fitness- und Gymnastikraum. Zudem gab es im benachbarten Wald einen sogenannten Trimm-Dich-Pfad. Damit es allen Besuchern des Siemensheims an nichts mangelte, kümmerten sich bis zu 30 Angestellte um die Belange der Patienten.

Ziel all dieser Bemühungen war es die Menschen in den Bereichen Verhalten und Gesundheit zu schulen. Viel Wert wurde auf eine gesunde Ernährung, genügend Sport und ausreichend Erholung gelegt. Wer wollte, konnte auch ein medizinisches Bad oder Kneipgüsse absolvieren. Das Angebot war sehr breit gefächert, aber scheinbar nicht gut genug.

Der Nutzen des Kurzentrums wurde infrage gestellt:

Vandalismus im ehemaligen Erholungsheim

Im Jahre 1995 wurde die Einrichtung nur noch für Siemens-Vorsorgekuren und für das Kreislauftraining genutzt. Dessen ungeachtet investierte man zur Jahrtausendwende nochmals mehrere Millionen D-Mark, um den Eingangsbereich heller zu gestalten und die medizinische Ausstattung zu verbessern. Es sah zu diesem Zeitpunkt danach aus, als würde es das Kurzentrum noch lange geben.

Der Schein trügte aber gewaltig. Bereits 2005 wurde das Siemensheim ohne Vorankündigung geschlossen. Und das, obwohl es durchschnittlich mit mehr als 95 % ausgelastet war. Seitdem gammelt das einstige Prestige-Objekt vor sich hin. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, haben Vandalen und Partygänger den Lost Place für sich entdeckt.

Vandalismus im Lost Place Kulturzentrum

Über die letzten Jahre haben diese Menschen die meisten Heizkörper aus den Wänden gerissen, alle Scheiben eingeschlagen, die Türen aus den Angeln gerissen und die offenen Fahrstuhlschächte mit Unrat gefüllt. Auch Graffitis und Sperrmüll sieht man überall. Aus wirtschaftlicher Sicht zu retten ist das Gebäude und das verwilderte Anwesen vermutlich nicht mehr.

Trotzdem geben die Anwohner die Hoffnung nicht auf, dass ein finanzstarker Investor auftaucht, der dem Areal wieder zu altem Glanz verhilft. Allerdings gab es seit 2016 keine ernstzunehmenden Kaufabsichten mehr. Damals wollte man aus dem Gebäude ein Zentrum für demenzkranke Menschen machen. Aber auch diese Pläne haben sich leider in Luft aufgelöst.

Gut zu wissen:
Es ist einfach schon zu lange her, dass die Patienten des Siemenskurheim für kalkulierbare Einnahmen in den angrenzenden Läden sorgten. Die Innenstadt ist inzwischen verwaist, viele Immobilien stehen seit Jahren leer und die Gemeinde klagt über leere Kassen. Die einst wunderschöne Stadt verkommt immer mehr. Aufgrund dessen wird es auch schwierig neue Investoren für das Heim zu finden.