Tief im Wald versteckt: Ein alter Steinbruch mit viel Charme!

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Es ist seit Wochen Hochsommer in Deutschland. Das Thermometer zeigt auch heute wieder stolze 36 Grad Celsius an. Und nein, es ist keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Es ist einfach zu warm, um etwas zu unternehmen. Aber irgendwie juckt es mir mal wieder in den Fingern. Was liegt da näher als sich einen neuen Lost Place anzusehen?!

Ich selbst bin großer Fan von gigantischen Industriebrachen und verrotteten Baumaschinen. Zum Glück wohne ich nicht weit entfernt von der wunderschönen Oberpfalz. Dort lassen sich beide Interessen bestens verknüpfen. Immer mal wieder stoße ich in dieser Gegend auf verlassene Steinbrüche. Unzählige dieser massiven Krater habe ich schon erforscht.

Heute soll es zu einem etwas kleineren Steinbruch gehen. Vor Ort angekommen, sehe ich aber nur Felder und Windräder soweit der Horizont reicht. Doch etwa einen Kilometer entfernt, springt mir eine kerzengerade Linie an Büschen und kleinen Bäumen ins Auge. Da muss er sein, schießt es mir durch den Kopf. Also den Rucksack aufgesetzt und los geht es!

Alles Wichtige auf einen Blick:
  • Der Steinbruch hat seine besten Tage lange hinter sich. Die wenigen Gebäude sind über die Jahre stark verfallen. Überall gibt es Spuren von Vandalismus zu sehen. Die Scheiben der Gebäude sind zerborsten und durch die Löcher in den Dächern dringt Sonnenlicht herein.
  • Möchte man die Gebäude betreten, muss man äußerste Vorsicht walten lassen. Scherben und scharfkantige Objekte liegen hier nämlich überall herum. Auch sind manche Gebäudeareale stark einsturzgefährdet und wirken fast so, als würde der nächste Sturm ihnen den Rest geben. Trotzdem gibt es hier viel zu entdecken.
  • Um den Lost Place betreten zu können, muss man eine kleine Wanderung über Stock und Stein in Kauf nehmen. Am Ziel angekommen, wird man dann mit einer kleinen Verladestation, kilometerlangen Förderbändern und einer einzigartigen Kulisse belohnt. Fotografen finden hier sicherlich mehr als ein oder zwei gute Motive.

Meine Eindrücke vom verlassenen Steinbruch:

Nach einem 15-minütigen Fußmarsch, stehe ich endlich am Ziel meiner Begierde. Die Rede ist von der Haupteinheit des Werkes, also der Verladestation am ehemaligen Eingang. Direkt an der LKW-Waage befindet sich ein kleines Steuerhäuschen mit zahlreichen Knöpfen und Messinstrumenten. Ich kann mir richtig vorstellen, wie hier früher die frisch beladenen LKWs vor der Abfahrt gewogen worden.

Links und rechts von diesem Häuschen befinden sich weitere Gebäude. Auch ein großes Förderband ragt etwas weiter hinten in den Himmel. Dort angekommen, sehe ich zwei komplett verrostete Silos. Im Inneren liegen ein paar Reifen und etwas Sand. Also eher nicht so spannend. Das gilt übrigens auch für die zwei kleineren Hallen in der unmittelbaren Nähe.

Also wieder zurück zum Anfang. Hier gibt es glücklicherweise mehr zu sehen. Die Gebäude verfügen noch über etwas Einrichtung und so lässt es sich in längst vergessene Zeiten eintauchen. Erst jetzt wird mir bewusst, dass das Werk gar nicht so klein sein kann. Und dem ist auch so. Das angesprochene Förderband ist gut und gerne über einen Kilometer lang, wie ich später feststelle.

Obwohl der Steinbruch schon lange verlassen scheint, wird das Gelände noch ab und an genutzt. Die zwei großen Hallen sind nämlich noch weitestgehend intakt und an allen Ecken und Enden wurden sie fachmännisch verbarrikadiert. Außerdem wird hier gefälltes Holz in rauen Mengen gelagert und die Zufahrtsstraße wird regelmäßig freigeschnitten.

Dies mit eigenen Augen zu sehen, freut mich ungemein. Es ist nämlich immer wieder toll anzuschauen, wenn ein Lost Place nicht sich selbst überlassen wird und nur noch als Treffpunkt für Randalierer herhalten muss. Aber genug philosophiert. Die Stimmung in diesem Steinbruch ist wirklich etwas ganz Besonderes und die Atmosphäre hat mich in ihren Bann gezogen.

Zwar stehen nirgendwo alte Baumaschinen herum, aber man kann trotzdem in längst vergessene Zeiten eintauchen. Wer zudem den ganzen Steinbruch abläuft, wird noch ein echtes Schmankerl am Ende der Förderbandstrecke entdecken. Hobbyfotografen können hier die Stimmung des Objekts besonders gut mit einem Weitwinkelobjektiv einfangen.

Besser bekommt man die Symbiose zwischen alten Maschinen und schillernder Natur nicht auf ein Foto. Auch hier holt sich die Natur Stück für Stück die Flächen der Industriebrache zurück. Die Förderbänder verschwinden von Jahr zu Jahr mehr in dichtem Grün. Irgendwann wird man dann nur noch ein Waldstück sehen. Und auf diesen Anblick freue ich mich schon.

Gut zu wissen:
Irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, wo ein Steinbruch stillgelegt werden muss. Sei es, weil das Vorkommen an abbaubaren Materialien erschöpft ist oder man einfach keine Angestellten zur Aufrechterhaltung des Betriebs findet. Viele Anwohner freut die Schließung nicht selten ungemein, da sie nun die Donnerschläge der Sprengungen nicht mehr ertragen müssen.