Wie entstehen Lost Places & was passiert mit ihnen?

Leer stehende Gebäude sind eine spannende und vielleicht sogar mysteriöse Angelegenheit. Für viele haben sie einen besonderen Reiz oder genauer gesagt eine gewisse Anziehungskraft. Leider werden viele Lost Places nicht mehr renoviert, sondern verkommen so lange, bis man sie nur noch abreißen kann.

Aber nicht allen verlassenen Orten droht dieses Schicksal. Was mit den Gebäuden und Grünstücken im Positiven als auch Negativen passieren kann, verraten wir dir in den folgenden Zeilen. Außerdem gehen wir dabei nicht nur auf die Situation in Deutschland ein, sondern behandeln das Thema global.

Und dabei gehen wir nicht nur auf die Klassiker wie Erbschaftsstreitigkeiten oder die Situation im Osten der Republik ein. Dieser Artikel ist deshalb auch etwas ausgeartet. Das Lesen lohnt sich aber auf alle Fälle. So viel sei an dieser Stelle schon mal verraten.

Alles Wichtige auf einen Blick:
  • Im Grundgesetz heißt es sinngemäß, dass Eigentum verpflichtet. In der Realität scheint dies aber nicht immer zu stimmen. Selbst unser Staat „vergisst“ gelegentlich eine seiner Immobilien.
  • Oft entstehen Lost Places durch Streitigkeiten zwischen den Erben. Entweder fühlt sich niemand für das Anwesen verantwortlich oder es fehlt schlicht am Geld für den Unterhalt oder Wiederaufbau.
  • Manchmal übernehmen aber auch Investoren Objekte mit guter baulicher Substanz und es kommt bei der Sanierung zu Problemen. Nicht selten spielt dabei der Denkmalschutz eine große Rolle.

Immobilien werden oft aufgegeben:

Aufgegebener Bauernhof

Das Ende droht oft dann, wenn die Immobilien warum auch immer zerstört werden. Zum Beispiel kann ein Brand eine Ursache dafür sein. In 80 Prozent der Fälle ist das Feuer sogar so schlimm gewesen, das man das Objekt nicht mehr retten kann. Aber auch andere Elementarschäden, wie Erdbeben, Erdrutsche, Lawinen und Überschwemmungen machen die Objekte irreparabel kaputt.

Häufig sind aber auch politische Beweggründe Schuld an der Misere. Nach der Wiedervereinigung fanden in Portugal, Italien und Frankreich große Rückbaumaßnahmen anstatt. Der Abriss vieler Immobilien in den genannten Ländern sollte vor allem dazu beitragen soziale Probleme zu beseitigen.

Ausschlaggebend ist in Deutschland vor allem die demografische Entwicklung für einen Umbau der Stadt. Damit brachliegende Flächen einer neuen Nutzung zugeordnet werden können, wird der Abbruch durchgeführt. Bereits bebaute Bereiche werden für andere Zwecke weiter genutzt. Aufgrund dessen entstehen immer wieder Lost Places in urbanen Gegenden.

Ein Abbruch ist oft auch eine logische Konsequenz, wenn es durch Vandalismus zu immensen Schäden an den verlassenen Orten gekommen ist. Bei Ruinen wird der Substanzverlust in Ingenieurs- und Architekten-Kreisen als vollkommen natürlich betrachtet. Dadurch steht man dem Verfall auch nicht negativ gegenüber, sondern erkennt in ihm nur positives.

Bei Gebäuden die auf natürliche Art und Weise verkommen, kann auch eine besondere Stimmung und mit ihr ein Wert dadurch geschaffen werden, dass ein Bauwerk mit der Natur verschmilzt oder durch diese einen besonderen Touch bekommt. Das macht die Immobilie für viele Fotografen und Urbexer attraktiv.

Wenn sich die Natur ihr Territorium zurückholt, kommt es dazu, dass die Objekte in einem ganz neuen Licht erscheinen. Sie können dann zum Beispiel durch eine Teilsanierung für Besucher attraktiv gemacht werden. Allerdings wird der Großteil dieser Fälle seinem Schicksal überlassen. Nur in ganz seltenen Ausnahmen wird das Objekt teilsaniert oder aktiv als Lost Place beworben.

Gut zu wissen:
In den letzten Jahren haben immer mehr Eigentümer bemerkt, dass sich mit den Ruinen noch ein paar Euro nebenher verdienen lassen. Daher bieten sie mithilfe von Reiseveranstaltern geführte Fotografie-Touren durch ihr Objekt an. Da man sich hier beim Betreten nicht strafbar macht, werden die Angebote danken angenommen.

Projekte mit alten Immobilien:

Lost Places neues Leben einhauchen

Jahr für Jahr schreitet der Verfall ungehalten fort. Während das passiert wird eine Sanierung für viele Bauwerke immer teurer und damit auch unwahrscheinlicher. Jedoch zeigen auch einige Generalüberholungen, wie Denkmalschutz im Interesse der Kapitalanleger sein kann. Es geht hier oft um eine gewisse Harmonie zwischen dem Bauwerk und einer bestimmten Epoche.

Hier kann oft eine ansprechende Kombination aus Tradition sowie Moderne geschaffen werden. Es gibt Planungs- sowie auch Architekten Büros die sich auf solche Projekte spezialisiert haben. Diese haben bereits eine große Anzahl an Beispielen für jene geschaffen. Ein Teil eines Gebäudes wird auf diese Weise oft meist erhalten, um dann weiter genutzt zu werden.

Eine Harmonisierung ist also in vielen Fällen auch möglich. In Nordrhein-Westfalen wurde im Zuge der Kohlekrise der Großteil der dortigen Betriebe dem Erdboden gleichgemacht. Diese Aktion wurde für die Optik des Ortes prägend. Bei den Investoren jedoch fand man diese Handlung alles andere als gut. Diese wollten den dortigen Ort in jedem Fall auf andere Art und Weise nutzen.

Von den ehemals 1000 Zechen im Ruhrgebiet, wurden bis 2018 alle abgerissen. Was in Nordrhein-Westfalen geschah, ereignete sich so ähnlich in zahlreichen weiteren Bundesländern. Daher gibt es heute nur wenige Überbleibsel längst vergangener Tage in der Bundesrepublik. Viele Staatsobjekte der DDR konnte man seit der Wiedervereinigung nicht ehr für eine weiterführende Nutzung modernisieren. So wurden die Gebäude stattdessen ihrem Schicksal überlassen.

Es gibt aber natürlich auch Fälle in denen Eigentümer von leer stehenden Immobilien diese vor einem drohenden Vandalismus schützen wollen. Zugleich möchten sie noch etwas Kapital in ihre Kasse spülen. Zu diesem Zweck kommt es in der Industriebranche oft zu Teil-Verpachtungen. Verträge diese Art gelten dann normalerweise bis zu einem Verkauf durch den Eigentümer.

Der entscheidende Vorteil für Mieter ist der, dass geringe Kosten bei der Pacht oder auch der Miete von großen Teilfläche entstehen. Es bedeutet außerdem für die jeweiligen Städte oder die Gemeinden, dass sich mehr Menschen in einem Arbeitsverhältnis befinden. Außerdem werden höhere Steuereinnahmen durch die teilweise Vermietung des Objekts bewirkt. Alles in einem eine gute Sache, oder?

Gut zu wissen:
Wir sind zwar Fans von Lost Places, aber kein Gebäude muss zu so einem werden. In Deutschland und auch vielen anderen Ländern gibt es nämlich zahlreiche Möglichkeiten Fördergelder zu beantragen. Oftmals fehlt es aber schlicht und ergreifend an der Motivation oder Fantasie die Immobilien neuen Nutzungsmöglichkeiten zuzuführen.

Bewohnen von alten Immobilien:

Neben der Teil-Vermietung gibt es noch eine weitere Möglichkeit, und zwar die der sogenannten Hauswächter. Der Marktführer in diesem Bereich ist ein Unternehmen mit dem Namen Camelot. Dieser Betrieb verwaltet in ganz Europa leer stehende Gebäude. Diese Bauwerke warten während der Bewachung auf eine neue Nutzung.

Und das Ganze hat nicht nur Vorteile für den Eigentümer. Dank dieser Art der Vandalismus-Prävention wird es Menschen ermöglicht, innerhalb solcher Immobilien zu wohnen. Zudem haben sie für das jeweilige Haus und Grundstück eine Aufgabe: Sie sind der Wächter. Mit dieser Aufgabe müssen sie auf die Immobilie aufpassen.

Die Hauswächter müssen statt Miete lediglich die monatlichen Verwaltungsgebühren für die Objekte zahlen. Wer für eine kurze Zeitspanne in immer neuen Immobilien wohnen möchte, sollte sich definitiv überlegen Hauswächter zu werden. Nicht selten bekommt man die Möglichkeit in alten Villen zu logieren.

Allerdings sollte man sich dabei diesen Aspekten bewusst werden: Vor dem Einzug muss man ein Paket für den Brandschutz erwerben. Des Weiteren wird eine Vertragsabschluss-Gebühr fällig. Eine weitere notwendige Leistung ist eine Sicherheitsleistung für die Immobilie. Diese wird ähnlich wie eine Kaution gehandhabt. Am Ende des Verhältnisses wird sie dann problemlos zurückgezahlt.

So kann ein vergleichsweise sehr preisgünstiges Wohnen in besonderen oder qualitativ hochwertigen oder unkonventionell interessanten Immobilien ermöglicht werden. Es ist in solchen Fällen zum Beispiel möglich in einer alten Schule zu wohnen, oder auch in einem Bürogebäude oder gar einem Sanatorium.

Zudem kann es sein, dass ein auf diese Weise bewohntes Gebäude, in einem vergleichsweise geringen Zeitraum von zum Beispiel wenigen Wochen bis Monaten wieder abgegeben werden muss. Dies kann dann der Fall sein, wenn es wieder verkauft oder abgerissen werden soll. Weitere Gründe für einen solchen Fall können auf eine Renovierung oder aber ein Verkauf sowie eine Neuvermietung sein.

Oft kann man aber auch über längere Zeit in den Gebäuden wohnen. Bei Weitem nicht jede alte Immobilie wird innerhalb kürzester Zeiten einen neuen Eigentümer finden. Allerdings hat man in puncto Einrichtung ein paar kleine, aber verschmerzbare Vorgaben einzuhalten: So ist es bspw. verboten Bilder an der Wand aufzuhängen oder Regale an dieser zu befestigen.

Gut zu wissen:
Hauswächter sind effektiver als eine Alarmanlage. Nicht zuletzt, weil sie sofort auf einen Eindringling reagieren können. Alarmierte Sicherheitskräfte müssen nämlich erst mal am Objekt ankommen und sich einen Überblick über die Lage verschaffen. Dies kann durchaus mehrere Minuten dauern und ermöglicht Dieben damit oft das spurlose Verschwinden.